Weisheit

“It takes a village to raise a child” sagt ein afrikanisches Sprichwort, und da wir alle wissen, dass sich das Umfeld eines Kindes nicht erst entwickelt, wenn es auf der Welt ist, sondern von der ersten Minute seines Lebens an. Ich verneige mich innerlich vor jeder Frau, die es schafft, um die Beteiligung der “community” (mir fällt irgendwie kein hundertprozentig passendes deutsches Wort ein) zu bitten – und bin froh über jene, die entsprechende Unterstützung in nächster Nähe um sich herum haben, egal ob mehr oder weniger selbstverständlich. Das mag etwas wehmütig und traurig klingen, das ist es auch, da ist einmal mehr viel Angst, besonders heute und generell jetzt, wo mich ein Tag wie der andere näher zum Ende der Schwangerschaft bringt, und auch in Richtung der Zeit, wo sich Vieles in einem ganz anderen Radius bewegen wird als bisher und wo mich die Tatsache lähmt, dass all meine Versuche, hier Fuß zu fassen, bisher nicht geglückt sind. Natürlich ist Vieles (und sicher auch eine Schwangerschaft und das Großziehen von Kindern) zu schaffen, ohne unmittelbare und unkomplizierte, barrierefreie (sprich: ohne 2-3 Stunden Reisezeit) Möglichkeit des gegenseitigen Besuchs von Menschen, die einen kennen (und zwar auch schon vor dem alles verändernden Umstand “jetzt mit Kind”), die am Nachmittag oder Abend vorbeikommen können und für die es keiner Erklärung bedarf, warum man was wie tut und warum man wie ist.

Aber es gibt auch die Situation, den Punkt, die Phase, wo klar ist: natürlich KÖNNTE man alles alleine weiterschaffen. Auch weil man MUSS. Aber: das nicht (mehr) WILL. Für mich ist dieser Zustand zumindest heute und seit ein paar Tagen schon erreicht.

3 Gedanken zu “Weisheit

  1. Nina

    Liebe Maria,

    dein Beitrag macht mich ganz traurig. Was kann ich tun, aus der Ferne? Hast du eine Idee, wie du es nicht mehr alleine schaffen musst?
    Welche Form der Hilfe brauchst du und wünschst du dir? Eine Nachbarin, die zum Reden vorbei kommt? Eine Gruppe ebenfalls Schwangerer, die das Gleiche wie du erleben und mit denen du dich austauschen kannst? Eine Doula?
    Ich bin soo unglaublich dankbar und demütig, dass ich so gut aufgefangen werde momentan, ich möchte was abgeben an dich. Wie kann ich das?
    Alles alles Liebe aus Köln von Nina

  2. kreativberg

    Liebe Maria,
    mir ging es ganz am Anfang genauso wie dir. Wir sind hierher gezogen, da war unsere Älteste nicht mal ein Jahr alt. NIEMAND in der Nähe, keine Freunde, keine Eltern/Großeltern… niemand. Ich habe mich so einsam gefühl, so hilflos. Und einmal war mein Mann in seiner Heimat, weil sein Vater im Sterben lag, und ich war zu Hause. Allein mit meiner Kleinen und schwanger. Ich war am Ende. Mitten im Winter.
    Irgendwie habe ich das überstanden. Und ich habe “gelernt” in dieser Zeit. Mir Gutes zu tun. Und seit ich dem wirklich Raum gebe. Nicht nur “nebenbei” geht es besser.
    Ich habe hier nach wie vor niemanden, es sind 200km bis zu den nächsten Großeltern und Freunden. Aber jetzt – nach fast 5 Jahren – tut sich auch hier etwas. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Aufgenommen auch von Nachbarn und es entwickeln sich langsam so etwas wie Freundschaften. Anders als die “alten”, aber es sind doch wertvolle Kontakte, die sich ergeben haben.
    Gib dir Zeit, Maria. Und eine Schwangerschaft ist eine große Herausforderung, die Geburt eines Kindes etwas Unvergleichliches. Aber dieses Kind dann bei dir zu haben, dieses Gefühl Mutter zu sein, ist unbeschreiblich. Erfüllend, finde ich. Und du wirst sehen, wenn du diesen “Platz” gefunden hast, streckst du deine Fühler aus rundherum und findest, was dich im Gleichgewicht hält, dir gut tut und was du brauchst.
    Ich merke, dass dieses “Alleinsein” meinen Mann und mich stärker aneinander bindet, verbindet und zusammenarbeiten lässt, als bei so manch anderer Ehe das der Fall ist. Ich finde das schön. Wohltuend. Es ist nicht immer einfach und manches ist schlicht und einfach nicht möglich. Aber da versuche ich zu denken: niemand hat ALLES. Und ich versuche den Blick auf das zu lenken, was gut tut, was wertvoll ist in meinem Leben.
    Das Problem ist nur, wenn man beginnt, sich mit anderen zu vergleichen.
    Ich wünsch dir gute Menschen um dich. Und wenn es “nur” virtuelle/telefonisch ist.
    Alles Liebe. maria

  3. MariaW Artikel Autor

    Vielen lieben Dank für eure wertvollen Kommentare, diesen Seelentrost. Es geht mir schon etwas besser…und es ist wohl vor allem immer die Veränderung, das Einleiten einer neuen Phase, die mich teilweise so abstürzen lässt…liebe Grüße!

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