Wo bin ich?

Was ist das hier eigentlich? ParisNewYorkTokio?

Ganz klar: Zuhause.

In den meisten Momenten merke ich gar nicht, wo ich gerade bin, weil sich alles im Radius unserer schönen neuen kleinen Welt bewegt. Zudem kommt es vor, dass eine Straßenecke, ein bekanntes Gesicht, der lang vermisste Besuch der Chorprobe mich endgültig daran erinnert, wo ich hier wirklich bin.

 



Zurück zur Subsistenzwirtschaft

Schöne neue Welt: Um alles muss man sich selber kümmern, allem muss man hinterherrennen. Wo einem Qualität vorgespielt wird, kommt nach einiger Zeit die Enttäuschung. Der sparsamste Geschirrspüler macht das Geschirr nur richtig sauber, wenn man die Taste drückt, die das Programm anwählt, das schneller fertig ist, mehr Wasser pumpt und dadurch mehr Ressourcen verbraucht. Ein halbes Jahr nach Kaufdatum muss man sich wegen einer Fehlermeldung vom Kundenservice anmaulen lassen. Die vom Profi durchgeführte Ausbesserung von Badezimmerfugen muss nach kürzester Zeit wiederholt werden, weil offenbar schlechtes Material verwendet wurde. Reklamiert man eine bereits nach einem Jahr durchgelegene Matratze wird einem bei der Problemschilderung nicht einmal richtig zugehört. Bleibt man den ganzen Tag zu Hause, um in einer angegebenen Zeitspanne von 6 Stunden einem Spediteur die Tür öffnen zu können, findet der nach diesen Stunden nach Hause kommende Mann einen Zettel an der Haustür, der besagt es wäre niemand anzutreffen gewesen. Selbst im Bioladen müssen inzwischen die Zutatenlisten gelesen werden, will man in seinem Essen auf Dinge verzichten, die dort nicht hineingehören.

Doch ist nun die Wolldecke auf dem Boden und Geschirrspülen mit der Hand die Antwort auf all das? Wie findet man heraus, worauf man sich verlassen kann? Luxusprobleme, ich weiß. Die aber irgendwie klar machen, wie sehr einem “Luxus” vorgegaukelt wird und wie bitternötig es wäre, noch mehr zu hinterfragen, ob man braucht, was man glaubt zu brauchen, und wo und mit wem man sich auf etwas einlassen möchte.

Und nun, nach etwas mehr als einer Woche voller Adrenalin und wo fast alles, was den Umzug angeht, organisiert ist, geht die Luft raus, treten Erschöpfung und Verspannungen ein und ich muss versuchen, mich so gut es geht aus allem rauszuhalten, auch wenn es mir so schwer fällt, Sachen liegen oder einen Großteil den Liebsten machen zu lassen, und ich würde natürlich gern die Dinge, die ich nicht mehr will und brauche, hier lassen und nicht erst mit umziehen. Doch selbst durch die eine oder andere Schublade zu gehen, ist mir gerade zu viel. Dafür verhält sich das Kindchen gerade ausgesprochen friedlich, tritt mich zwar immer wieder kräftig in die Rippen, aber im Moment scheint es, als hätte es meinen Wunsch gehört und hält noch zwei Wochen in seiner Höhle aus.


Wochenrückblick KW 7

[Wetter] trüb

[Gemacht] telefoniert, recherchiert, mit den Nachbarn getroffen

[bewegt] viel herumspaziert. Ein paar Yogaübungen zwischendurch.

[Kreatives] Babysocken fertiggestrickt. Erste Briefumschläge für die Geburtskarten fertig gemacht.

[Gehört] Keimzeit. Generell war es eher ruhig.

[Gesehen] Den Sonntagskrimi. Biathlon.

[Gelesen] Die ZEIT. Die Hebammensprechstunde.

[Getrunken] Apfelschorle. Immer mal wieder Espresso. Wasser. Himbeerblättertee (huch, soweit sind wir also…). Frischen O-Saft.

[Gegessen] Veganen Burger in Friedrichshain. Nudelsuppe und Sommerrollen. Mangold mit Quinoa. Nudeln mit Olivenöl. Kartoffeln und Salat.

[Gedacht] Manchmal fügt sich eben doch alles.

[Gefreut] Über die Aussicht auf die Schönhauser Allee.

[Geärgert] Kaputte Spülmaschine nach einem halben Jahr.

[Gelernt] Es lohnt sich, Optionen offen zu halten.

[Gekauft] Lebensmittel und Wäsche fürs Wochenbett.

[Und sonst so?] In zwei Wochen am neuen alten Ort…huuh…